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19.10.2017, 14:43 Uhr

IQB-Studie offenbart erneut bildungspolitischen Handlungsbedarf

Es war nach den letzten Ergebnissen bereits abzusehen, dass bei der neuen IQB-Studie Schülerinnen und Schüler aus Baden-Württemberg erneut nicht gut abschneiden würden. „Ernüchternd“ nannte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann dann auch das Ergebnis, das Ende letzter Woche vorgestellt wurde. Abgesehen von Bremen rutschte kein anderes Bundesland in den Rankings derart ab wie Baden-Württemberg. Viertklässler aus 87 Grundschulen im Lande hatten zwischen Mai und Juli 2016 an der Studie teilgenommen. Besonders schlecht schnitten baden-württembergische Schüler in den Bereichen Lesen und Zuhören ab.

Der einzige Lichtblick ist das Rechtschreiben, doch die schlechte Gesamtbilanz vermag dies nur unwesentlich aufzubessern. Im Vergleich zu den relativ guten Resultaten der letzten IQB-Studie 2011 ist die Verschlechterung eklatant. Was nun? Auffällig ist zunächst, dass der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg verhältnismäßig hoch ist. 45 % stehen 33 % im Bundesschnitt gegenüber. Dass es zu kurz greift, die Ursachen für das schlechte Abschneiden im Migrationshintergrund und den dadurch resultierenden Herausforderungen zu suchen, zeigt jedoch der Blick auf Hessen. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ist ähnlich hoch, Hessen schneidet allerdings deutlich besser in der Studie ab.

Seitdem die Ergebnisse der Studie bekannt sind, ist die öffentliche Diskussion in vollem Gange, was Gründe dafür und mögliche Lösungen anbetrifft. Ein einzelnes Übel identifizieren zu wollen, wäre da aber der falsche Ansatz, vielmehr sind sie wohl in einem Ursachenbündel zu suchen. Lehrermangel ist ebenso wenig der Quell allen Übels wie Migrationshintergrund. Und auch unter dem Phänomen der wachsenden Bedeutung des sozialen Status für den Schulerfolg hat nicht nur Baden-Württemberg zu kämpfen. Zentral ist vielmehr die Frage, warum andere Länder mit gleichen oder ähnlichen Herausforderungen offenbar besser umzugehen wissen und diesen begegnen als wir. Es ist an der Zeit, unbequeme Fragen zu stellen. Die Kultusministerin hat hierzu ein Beispiel gegeben, als sie die Qualität des Unterrichts angesprochen hat. Ein positives Signal kann man bei den ganzen schlechten Ergebnissen jedoch aus der IQB-Studie ziehen. Mit der Abschaffung des Fremdsprachenunterrichts in den ersten Schuljahren zugunsten von mehr Unterrichtszeit für die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen – also genau die Bereiche, die im Fokus der Studie stehen – ist ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung gemacht. Nun gilt es, diesen Weg konsequent weiter zu beschreiten.

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