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23.06.2017

Europäischer Staatsakt eine passende Würdigung Helmut Kohls

Sechzehn Jahre lang als Bundeskanzler die Geschicke der Bundesrepublik Deutschlands zu leiten und begleiten – so lange war vor und nach Helmut Kohl (noch) niemand Bundeskanzler. Helmut Kohl wird natürlich vor allem als Kanzler der Wiedervereinigung und der deutschen Einheit in die Geschichte eingehen. Das ist einer seiner größten Verdienste und zweifelsohne ein Meilenstein der deutschen Nachkriegsgeschichte. Helmut Kohl wurde 87 Jahre alt. In den letzten Jahren ging es ihm gesundheitlich nicht mehr gut, er verbrachte sie weitestgehend fernab der Öffentlichkeit.

Auch wenn der Name Kohl untrennbar mit der Wiedervereinigung verbunden ist, erschöpft sich Helmut Kohls Wirken nicht darin. Sechzehn Jahre bieten viel Gestaltungsspielraum, im innen- sowie im außenpolitischen Spektrum. Ich möchte den Blick auf seine Rolle im Zusammenhang mit der europäischen Integration lenken, vordergründig vielleicht ein außen-, hintergründig jedoch auch ein sehr innenpolitisches Thema. Natürlich ist Helmut Kohl bei Weitem nicht der einzige, der die EU vorangetrieben hat. Die Idee eines geeinten Europas entstand ja bereits weit vor dem 1. (!) Weltkrieg. Aber er hat sie in den Jahren seiner Kanzlerschaft vo-rangetrieben und so zu etwas beigetragen, was viele heute für zu selbstverständlich halten: ein friedliches Europa, das imstande ist miteinander zu arbeiten, statt immer wieder Kriege untereinander zu führen. In die Amtszeit Kohls fallen die Entscheidung für und die Vorbereitung der Einführung des Euros. Dass es gelingen konnte, eine europäische Währung einzuführen – immerhin ist hier eine nationale Kernkompetenz berührt –, konnte nur mit Überzeugungskraft und Behutsamkeit gelingen. Mit seinem französischen Kollegen Mitterand verstand sich Helmut Kohl bekanntermaßen gut, doch um eine Währung einzuführen bedarf es auch des Einverständnisses der anderen, kleineren Staaten. Die Liste der Verdienste ließe sich fortführen. Klar ist, dass einer der bedeutendsten Staatsmänner der Nachkriegszeit gestorben ist. Deshalb haben wir ihn auch am Donnerstag im Rahmen einer Aktuellen Stunde im Landtag gewürdigt. Ein europäischer Staatsakt ist ein passender, würdiger Abschied für Helmut Kohl und auch ein angemessenes „Dankeschön“.

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